Entwurf Herbstsemester 2011

Aosta – Alpine Stadt zwischen Industrie und Landschaft

Aosta ist heute eine Industrie-, Verwaltungs-, Handels- und Skistadt, zählt 35‘000 Einwohner und liegt in einem italienischen Alpental. Die mehrschichtige Identität der Stadt ist in einem langen historischen Prozess entstan- den und beinhaltet viele uneindeutige öffentliche Räume. Zudem entfallen in Zukunft durch die Schliessung vieler Militärbaracken sowie durch die Räumung der ausgedehnten Cogne Industrieanlage wichtige Nutzungen.

Der Entwurf in Aosta stellt die Erarbeitung einer koordinierten Strategie für den Umgang mit dieser Problematik als Aufgabe. Dafür wird die Stadt in vier Makro-Zonen (Militär, Zentrum, Industrie, Strip) aufgeteilt. Für jede Zone ist ein spezifischer Vorschlag zu entwickeln, welcher ökonomische, gesellschaftliche, räumliche und landschaftliche Aspekte integrativ behandelt und die Stadt als Ganzes weiterdenkt.

Um den Ort kennen und verstehen zu lernen unternehmen wir anfangs Semester eine gemeinsame Reise nach Aosta. Dabei zahlt der Lehrstuhl einen Teil der Reisekosten. Ein Restbetrag von ca. 190.– pro Person ist durch die Studierenden zu übernehmen.

Die Reise findet statt von Sonntag, 18. September 2011 bis Mittwoch, 21. September 2011. Am Freitag, 16. September 2011 führen wir im HIL H40.9 zudem eine Einführungsveranstaltung zur Reise durch. Das Fach bietet durch eine vertiefte Bearbeitung des Entwurfes die Möglichkeit ein Wahlfach zu integrieren.

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Alpenstädte mittlerer Grösse

Die mittelgrosse Alpenstadt ist mit ihren funktionalen und räumlichen Besonderheiten ein urbaner Typus. Sie ist nicht auf den Tourismus und das Vorhandensein von Schnee angewiesen; sie hat eine Bevölkerung zwischen 20’000 und 50’000 Einwohnerinnen und Einwohnern; sie liegt auf dem Grund eines Gletschertals und auf einer Höhe zwischen 200 und 800 Metern über dem Meeresspiegel. Es gibt viele Beispiele dafür: in Italien Aosta (35’000 Einwohner, 600m ü. d. M.), in der Schweiz Bellinzona (18’000 Einw., 250m ü. d. M.), in Österreich Lienz (12’000 Einw., 700m ü. d. M.), in Frankreich Gap (41’000 Einw., 735m ü. d. M.), in Slowenien Kranj (37’000 Einw., 400m ü. d. M.), in Deutschland Garmisch-Partenkirchen (26’000 Einw., 708m ü. d. M.).

Was haben mittelgrosse Alpenstädte gemeinsam? Erstens liegen sie alle an einem Fluss, oder in der Nähe eines Flusses (manchmal auch eines Sees), was das Vorhandensein einer Brücke impliziert; Ingenieurarbeiten – Brücken, Böschungen, Tunnel, Dämme – spielen eine wichtige Rolle. Zweitens, die ständige Präsenz von Militärverwaltungen und Kasernen; diese sind oft leer und ihre schlussendliche Umnutzung muss berücksichtigen, dass die meisten mittelgrossen Alpenstädte eine rückläufige Bevölkerungszahl aufweisen. Drittens, das Vorhandensein eines städtischen Marktplatzes mit Brunnen und Säulengängen.

Die mittelgrossen Alpenstädte stehen im Kontrast zu den Ballungsräumen, die eine eigentliche Galaxie rund um die Alpen bilden. Typischerweise reichen die Funktionen mittelgrosser Alpenstädte von Gesundheit bis Kultur, von Bildung bis Freizeit, von Transport bis Handwerk, von Wasser- bis Energiewirtschaft, von Ganzjahrestourismus bis zu periodisch stattfindenden Kongressen.

Die meisten Städte weisen auch Mahnzeichen an die Zeit vor dem Tourismus auf, als die Alpen als Bergbau- und Abbaugebiet genutzt wurden: Granit, Basalt, Gneis, Sand, Kalk, Eisen und sogar Gold wurden abgebaut. Einige alte Industriegebiete sind erhalten geblieben, andere sind vom Vordringen der Natur vereinnahmt worden, wieder andere sind zu Touristenattraktionen geworden. Man könnte sagen, dass mittelgrosse Alpenstädte die Melancholie des Dazwischen ausströmen; sie konkurrieren an gegenüberliegenden Fronten mit einer Handvoll multifunktionaler Alpenstädte (Bozen, Innsbruck, Grenoble, Luzern, Villach) und einer Vielzahl malerischer Dörfer, die vom Tourismus abhängig sind.

Aosta
Campocologno, Tirano
Davos