Symposium | Alpine Landschaften im Wandel: Infrastruktur, Kultur und Klima | Call for Abstracts

Didier Balissat & Hanae Balissat: Synthetische Landschaftsmomente, 2014.

Symposium 12. – 13. Mai 2022 

Forschungsworkshops, runder Tisch und Keynote
Call for Abstracts, Deadline 17. Dezember 2021
Organisation: Professur Günther Vogt

Klimawandel, Energiewende, Urbanisierung und Industrialisierung haben und werden enorme Auswirkungen auf die alpine Landschaft haben. Am Schnittpunkt Europas gelegen, müssen die Veränderungen dieser recht fragilen Umwelt durchleuchtet werden. Das Symposium bringt junge Forscherinnen und Forscher mit Expertinnen und Experten aus Praxis, Forschung und Kunst zu einer breiten Diskussion über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser einzigartigen Landschaft zusammen.

Alpine Landschaften im Wandel

Die Alpen sind alles andere als statisch, sondern vielmehr ein dynamischer und sensibler Organismus. Ihr charakteristisches Relief entstand durch komplexe geologische Prozesse und wurde durch Eiszeiten, Erosion und sich entwickelnde Lebensformen kontinuierlich umgeformt. Neben all diesen Einflüssen ist zunehmend der Mensch selbst zu einem wichtigen geomorphologischen Element geworden. Die Folgen menschlichen Handelns, ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, haben die alpine Landschaft radikal verändert, wie der Klimawandel heute belegt. Das Symposium ergründet diese Veränderungen und deren Darstellungen durch die Optik von Infrastruktur, Kultur und Klima. Tunnels, Strassen und Dämme verschieben grosse Teile des Gebirges, strukturieren ganze Wassersysteme neu, revolutionieren die Mobilität von Menschen und Gütern und schaffen neue Ökologien. Diese Veränderungen stellen die tradierten Vorstellungen von der Umwelt ständig in Frage. Sie bieten aber auch eine Möglichkeit, unsere Weltanschauungen zu hinterfragen, auf denen diese Projekte ja beruhen, und ermöglichen alternative Vorstellungen der Zukunft unserer Alpen.

Ein interdisziplinäres Treffen

Dieses Symposium ermöglicht uns, vergangene, aktuelle und zukünftige Veränderungen der materiellen und kulturellen Realität der Alpen zu diskutieren. Es bietet einen Moment des Austauschs und der Diskussion, um diese Veränderungen im Zuge der Entwicklung der Industrie, des Infrastrukturbaus und des Klimawandels zu erkunden. Dieses interdisziplinäre Treffen soll die Rolle der Disziplinen der Raumgestaltung und Raumplanung (Architektur, Landschaftsarchitektur, Städtebau und Planung) stärken. Der Umgang mit, oder gar die Gestaltung von neuen Vorstellungen und Darstellungen der Alpenlandschaft erfordert eine Verankerung dieser Praxisfelder sowohl im zeitgenössischen wissenschaftlichen Diskurs wie auch in den historischen Besonderheiten dieses Kulturraums. Ein neues und kritisches Verständnis der alpinen Landschaft kann nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen und in einem weiter als bisher gefassten Fachgebiet erfolgen.

Format

Die Veranstaltung besteht aus zwei Hauptteilen: mehrere Workshops mit Schwerpunkt auf der Forschung und ein Nachmittag mit Diskussionen am Runden Tisch. Die Forschungsworkshops bringen Doktorierende und junge Forschende zusammen, die sich mit dem Thema des Symposiums befassen, und bieten ihnen eine Möglichkeit, sich auszutauschen und ihre laufenden Arbeiten zu diskutieren. Es folgt ein Runder Tisch mit verschiedenen Akteurinnen und Akteuren aus Wissenschaft und Praxis, die sich aktiv mit der Alpenlandschaft auseinandersetzen. Er ist in zwei Sitzungen gegliedert: Arbeit/Migration/Kultur und Wasser/Infrastruktur/Landschaft. Diese Diskussionen werden eine Miniatur der komplexen Thematik aufzeigen, um die es hier geht. Eine Keynote von Prof. Dr. h.c. Günther Vogt wird das Symposium ergänzen.

Anmeldung für runden Tisch und Keynote am 13. Mai 2022
Programm folgt
Organisation: Team der Professur Günther Vogt, Landschaftsarchitektur, Institut für Landschaft und Urbane Studien, ETH Zürich
Kontakt: Rune Frandsen und Sarem Sunderland, Doktoranden des Forschungsprojekts «Industrialisierung in den Alpen: Landschaft, Architektur, Kunst und Arbeit» (gefördert durch den Schweizerischen Nationalfonds SNF)

Call for Abstracts

Die Forschungsworkshops sollen Perspektiven zum Wandel der alpinen Landschaften sammeln, um die Runden Tische am zweiten Nachmittag zu ergänzen. Die Beiträge sollen dieses Thema speziell im Zusammenhang mit der Industrialisierung, dem Bau von Infrastrukturen, dem Klimawandel, oder den dadurch erforderlichen kulturellen Anpassungen behandeln. Diese Beziehungen und Wechselwirkungen können in Form eines Wettbewerbs, einer passiver Koexistenz, oder einer Symbiose betrachtet werden, aber sehr wohl auch als Vorschläge für Alternativen in der Form von Projekten.

Die Beiträge müssen sich auf eines der unten aufgeführten Workshopthemen beziehen:
1. Staaten bilden und Wahrnehmung prägen
2. Transformation und Konflikt
3. Entstehende Symbiosen
4. Projektionen und Alternativen
5. Offener Workshop

Pro Workshop werden drei Teilnehmende für je 15 Minuten einen Vortrag halten. Die darauf folgende offene Diskussion wird von einer Gastkritikerin oder einem Gastkritiker moderiert. Die Organisatoren haben die Möglichkeit, je nach Beiträgen ein oder mehrere zusätzliche Workshopthemen einzurichten.

Bitte senden Sie bis spätestens 17. Dezember 2021 folgende Angaben an diese E-Mail-Adresse:

  • den Titel des Vortrags
  • das von Ihnen gewählte Workshopthema
  • Institutionelle Zugehörigkeit des Autors/der Autorin oder des Autorenkollektivs
  • ein Abstract (max. 300 Wörter)
  • einen kurzen Lebenslauf (max. 150 Wörter)
  • Ihre Kontaktinformationen

Wichtige Daten

  • Call for Abstracts: 12.10.2021
  • Einreichungsfrist: 17.12.2021
  • Benachrichtigung über die Annahme: Ende Januar 2022
  • Einreichung der Präsentation: 10.05.2022
  • Forschungsworkshops: 12.-13.05.2022
  • Runde Tische und Keynote: 13.05.2022

 

Workshopthemen

1. Staaten bilden und Wahrnehmung prägen
Alpenpässe, Tunnels oder Wasserkraftwerke sind eng mit der Staatenbildung verknüpft. Diese Infrastrukturen haben die Alpen und die Alpenländer historisch als natürliche Grenzen und Durchgangsorte positioniert und Diskurse über ihre nationale Identität geprägt. Jedes Projekt definiert die geopolitische Bedeutung eines Teils des Alpenraums im Verhältnis zu den Nachbarländern und Nachbarregionen neu, so als ob es ein schimmerndes Mosaik immer wieder neu zusammensetzen würde. Das Diskussionsforum bettet die Infrastrukturarbeiten in grössere politische, territoriale oder rechtliche Strategien ein und bewertet die Rolle der Landschaft in diesen Projekten.

2. Transformation und Konflikt
Dieser Workshop befasst sich mit dem wahrgenommenen zerstörerischen Wesen von Industrie und Infrastrukturbau. Die Landschaft als gemeinsamer Boden ist der Ort, an dem Konflikte über ihre vielfältige Nutzung, Weltanschauungen und projizierte Zustände ausgetragen werden. Die multiskalare Dimension von Infrastrukturen oder industriellen Unternehmungen bringt globale oder transnationale Netzwerke mit den jeweils lokalen Besonderheiten in unmittelbaren Kontakt. Der Workshop konzentriert sich auf die aus dieser Reibung entstehenden Konflikte: Wie werden sie wahrgenommen, bestritten, ausgehandelt und bearbeitet? Sind die Lösungen der Konflikte notwendigerweise ein Nullsummenspiel?

3. Entstehende Symbiosen
Materielle Eingriffe in die alpine Landschaft können grosse Störungen über Dimensionen, Zeit und Arten hinweg verursachen. Während einige Beziehungen verloren gehen, entstehen neue Beziehungen, von denen einige (sowohl materiell als auch kulturell) als symbiotisch definiert werden können. In diesem Workshop wird die Art und Entwicklung solcher Beziehungen untersucht: absichtlich oder unerwartet, vorübergehend oder dauerhaft, bekannt oder experimentell. Können sie uns allenfalls genauere Informationen über die Position und die Auswirkungen menschlicher Interventionen liefern? Und können sie als Modelle für weitere Entwicklungen dienen?

4. Projektionen und Alternativen
Da die räumlichen Disziplinen (Architektur, Landschaftsarchitektur, Städtebau und Raumplanung) in erster Linie projektorientiert sind, spielen sie eine operative Rolle, wenn es darum geht, mögliche Integrationen von Industrie oder Infrastruktur in die alpine Landschaft aufzuzeigen. Die Absicht dieses Workshops ist eine doppelte. Es ruft Designerinnen und Planer, die an solchen Transformationen arbeiten, an den Tisch, damit sie ihre Visionen mit anderen teilen können. Ausserdem soll ein öffentlicher Raum für Diskussionen über kürzlich abgeschlossene Projekte geschaffen werden, die als „lessons learnt” genutzt werden können.

5. Offener Workshop
Wenn sich Ihre Forschungsarbeit auf das Gesamtthema des Symposiums, aber eher weniger auf die einzelnen thematischen Workshops bezieht, reichen Sie bitte Ihr Abstract für den „Offenen Workshop” ein. Je nach Anzahl der eingereichten Beiträge können mehrere offene Workshops stattfinden. Die hier eingereichten Beiträge werden nach ihrem Bezug zum Gesamtthema des Symposiums bewertet.

Keywords: Alpine Landschaften, Landschaftsveränderungen, Infrastruktur, Kultur, Klima

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