Winter School Herbstsemester 2020

Urban Food: Die Schweizer Alpen

Winter School Herbst 2020: Die Schweizer Alpen. Bild: Auswahl an Schweizer Käsen © patrimoineculinaire.ch

Transformationen eines Kulturraums – ein Portrait

Auf die Territorien rund um die Alpen wirken eine Vielfalt an Transformationsprozessen ein. Die Produktion, Verarbeitung, Distribution sowie der Konsum und die Entsorgung von Lebensmitteln gestalten die Beziehung zwischen Stadt und Land immer wieder neu. Indem wir das Essen als Forschungsgegenstand betrachten, machen wir diese Transformationen sichtbar.

In dieser Winter School, die vom 25. Januar bis 12. Februar in Zürich stattfindet, portraitieren wir die Schweiz mittels einer analytischen Gruppenarbeit, die in Zweiergruppen in einen «Visual Reader» übersetzt wird. Dabei werden unter anderem neue Tourismusformen als Folge des Klimawandels, die Schweizer Küche und die Infrastruktur der Schweizer Alpen thematisiert sowie deren Beziehung mit den umliegenden Städten wie Lausanne oder Zürich. In der zweiten Hälfte des Kurses wird ein Thema des ersten Teils individuell in filmischer Form weiterentwickelt. Dieser Kurs enthält Module zu GIS sowie zum Essayfilm.

Dieser Kurs wird nicht mehr als Wahlfach angeboten, sondern nur noch als Vertiefungsarbeit.

Urban Food – Professur Günther Vogt – www.vogt.arch.ethz.ch
Assistenz: Roland Charles Shaw (shaw@arch.ethz.ch)
Vertiefungsarbeit (6 KP)
Bitte sich unter Vertiefungsarbeit HS20 im Bereich Landschaftsarchitektur und Städtebau (LUS) (063-0751-20) eintragen.
Dieser Kurs, inklusive Reise innerhalb der Schweiz, findet vom 25.01.21 bis 12.02.21 statt. Der Unkostenbeitrag beträgt 280 CHF.

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The Alps as Common Ground

Durch den Ausbau der Erschliessungsstruktur werden die Alpen immer stärker in die urbanen Netzwerke der umliegenden Metropolen eingebunden. Dies ermöglicht einerseits die Nutzung der Alpen als metropolitane Parklandschaft und andererseits als attraktives Siedlungsgebiet, was zu einer verstärkten Ausbildung der sich heute schon abzeichnenden räumlichen Gegensätze führt: Die Nutzungsintensivierung der gut erreichbaren Alpengebiete steht dabei in zunehmendem Kontrast zur extensiveren Nutzung bis hin zur Verbrachung der übrigen alpinen Regionen. Setzt sich dieser Trend fort, wird dies im Extremfall zu einem Verlust der Alpen als eigenständigem Kultur-, Lebens- und Wirtschaftsraum führen und die Alpenrandgebiete zu reinen Ergänzungsräumen der ausseralpinen Metropolen werden lassen.

Betrachtet man die Alpen als Common Ground der umliegenden Metropolitanräume ergibt sich eine alternative Lesart respektive eröffnet sich ein Potential bezüglich der zukünftigen Entwicklung der Alpen. Unter der Annahme eines verstärkten Siedlungswachstums entlang des Alpenrandes und dessen urbaner Verdichtung würden die Alpen nicht mehr nur zu partiell zugeordneten metropolitanen Parklandschaften, sondern zur zentralen Landschaftsfigur. Liest man die Alpen als Common Ground und somit als eine von verschiedenen Nutzern beanspruchte Ressource, könnte deren Zukunft in einem gemeinschaftlich neu ausgehandelten, nachhaltigen Nutzungsverhältnis bestehen, das traditionelle landwirtschaftliche (endogene) Nutzungen mit ausseralpinen, urbanen (exogenen sowie ubiquitären) Nutzungen kombiniert und überlagert und so letztlich einen verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource der alpinen Landschaft ermöglicht. (vgl. Werner Bätzing, «Die Alpen. Geschichte und Zukunft einer europäischen Kulturlandschaft», München: Verlag C.H. Beck, 2005, S. 335.) So könnte eine gemeinschaftliche, zentrale Landschaft der umliegenden Metropolitanräume entstehen, die nicht auf traditionellen Bildern und Vorstellungen beharrt, sondern neue Bilder und Bedeutungen schafft und vor allem Strategien für den Umgang mit potentialarmen Räumen entwickeln muss.

Alpenbogen 2015: Urbanisierung (weiss), Schutzzonen (rot), Common Ground (gelb).
Alpenbogen 2100: Urbanisierung (weiss), Schutzzonen (rot), Common Ground (gelb).

Urban Food

Die Produktion, Verarbeitung, Verteilung sowie der Konsum und die Entsorgung von Lebensmitteln prägen seit jeher die Beziehung zwischen Stadt und Land und somit das Territorium der urbanisierten Landschaft, welches sich im Laufe der Zeit durch die Industrialisierung und Globalisierung grundlegend verändert hat. Umgekehrt sind logistische Systeme und Konsumverhalten stark durch Urbanisierungsprozesse beeinflusst, womit die gegenseitige Prägung von Stadt und Food-System deutlich wird.

Ambrogio Lorenzetti: The Allegory of the Good and Bad Government, 1348