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Hamish Fulton, Southern England, 1977
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Forschung

Urbanisierung und öffentlicher Raum
Seit 2009 leben erstmals mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Damit verbunden sind weltweite Urbanisierungsprozesse, von denen auch die Schweiz nicht verschont geblieben ist. Die Grenzen zwischen Stadt und Land sind kaum mehr erkennbar. Die Schweiz ist zur Stadt geworden. Bei aller Differenz zwischen Megacities und der Schweizer Agglomeration gibt es einen gemeinsamen Nenner: der öffentliche Raum. Zentrales Thema der Forschung am Lehrstuhl Vogt ist deshalb der öffentliche Raum, vor allem mit Blick auf dessen Gestaltung, Aneignung und Nutzung. Fragen der Qualität und Nachhaltigkeit stehen dabei im Vordergrund. Viele öffentliche Räume sind kaum bewusst gestaltet, sind oft nur Rest- oder Durchgangsräume, auf denen sich dennoch eine grosse Anzahl Menschen täglich bewegen. Gut gestaltete öffentliche Räume, wie mittelalterliche Innenstadtbereiche, Plätze oder Parkanlagen bilden die Ausnahme. Der Fokus der Forschung ist deshalb vor allem auf die „Stiefkinder“ der Planung gerichtet, auf die Strassen der Städte gleichermassen wie auf undefinierbare Rest- und Zwischenräume der Agglomeration oder des Alpenraums.

Transdisziplinarität und Transkulturalität
Aus diesem Ansatz heraus ist das erste Forschungsprojekt TAKING TO THE STREETS entstanden, das sich mit der Strasse als öffentlichem Raum befasst, der Strasse als Lebensraum. Dieses Projekt verdeutlicht einen Schwerpunkt der Forschung, die transkulturelle Herangehensweise. Untersuchungsorte dieses Projekts bilden Städte in Westeuropa und Ostasien. Vergleiche zwischen diesen beiden Kulturregionen sollen Auskunft über die Vielfalt des öffentlichen Raums geben und den Blick für kulturübergreifende, global ausgerichtete Aktivitäten schärfen. Darüber hinaus ist der Forschungsansatz transdisziplinär ausgerichtet. Um den öffentlichen Raum - sei er rein städtisch oder im undefinierbaren Niemandsland touristischer Alpenresorts - in all seiner Komplexität zu fassen, sind Zugänge von verschiedenen Bereichen und Disziplinen erforderlich. So geschieht die Forschungsarbeit immer im Verbund mit Soziologen, Anthropologen, Kulturwissenschaftlern, Architekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplanern.

Feldforschung und Methoden
Die transdisziplinäre Arbeit erfordert neue Methoden, vor allem innerhalb der Feldforschung, welche die Grundlage der Forschungsprojekte am Lehrstuhl Vogt bildet. Doch können für die Erforschung des öffentlichen Raums nicht einfach Methoden aus anderen Disziplinen übernommen werden, diese müssen für die Stadt- und Raumforschung modifiziert und neu ausgearbeitet werden. Vor allem visuelle Methoden scheinen für den Bereich Architektur, Freiraum- und Stadtplanung sehr geeignet zu sein, weshalb wir besonderes Gewicht auf einen Image-based Research legen, eine Methode der qualitativen Forschung, die als wissenschaftliche Methode noch in den Anfängen steckt.

Theorie
Parallel zur Feldforschung findet eine vertiefte theoretische Arbeit statt. Zusammen mit Kooperationspartnern aus verschiedenen Disziplinen soll eine Theorie des öffentlichen Raums entwickelt werden. Die jetzigen Begrifflichkeiten und Beschreibungsmöglichkeiten bilden das tatsächliche Geschehen nicht mehr adäquat ab. Der Diskurs steckt in überkommenen Dichotomien wie privat/öffentlich oder Stadt/Land fest. Von allen Seiten wird das mangelnde Begriffsinstrumentarium und eine fehlende Theorie beklagt, Lösungen jedoch, die disziplinenübergreifend anerkannt wären, stehen noch aus. Deshalb ist neben der Transdisziplinarität und Transkulturalität, der Betonung der Feldforschung und der Entwicklung neuer visueller Methoden, die theoretische Arbeit ein dritter Schwerpunkt der Forschungsarbeit am Lehrstuhl Vogt.

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