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Image-based Research - Bilder in der Wissenschaft 
 
Iconic Turn
Die visuelle Kultur wird heutzutage mehr und mehr zu einem wichtigen und unumgänglichen Aspekt des täglichen Lebens. Die Herstellung und Distribution von Bildern aller Art, sowie die Kommunikation mittels Bildern nimmt mittlerweile einen sehr grossen Stellenwert ein. Viele 
wissenschaftliche Disziplinen, so auch die Kultur- und Geisteswissenschaften, reagieren auf diese Tendenz und beginnen sich vermehrt mit bildbasierte Methoden auseinanderzusetzen.  Bilder als Erkenntnismittel einzusetzen ist jedoch nicht in gleicher Weise akzeptiert wie es bei Texten der Fall ist. Was Bilder können und wie mit ihnen umzugehen ist, ob und wie sie zeigen, all das sind
Fragen, die sich die Bildwissenschaft seit 1994 explizit unter dem Begriff des Iconic Turn  stellt. 
 
Bildbasierte Forschung
Wenn der öffentliche Raum zum Forschungsgegenstand wird, sind Feldforschungen ein unumgängliches Instrument. Die Ethnographie hat hierfür ein Setting von geeigneten Methoden entwickelt, auf welche die Stadtforschung zurückgreifen kann. Neben text- und sprachbasierten
Methoden haben sich in der Ethnographie von Anfang an auch bildbasierte Methoden entwickelt, woraus eine eigene Richtung, die visuelle Ethnographie hervorgegangen ist. Dennoch ist die bildbasierte Forschung (Image-based Research) noch lange nicht etabliert. Die Arbeit an und mit
Bildern muss weiterhin erprobt und exemplifiziert werden. Bildbasierte Verfahrensweisen bilden deshalb einen methodischen Schwerpunkt am Lehrstuhl Vogt. Es sollen verschiedene Zugänge zur bildbasierten Forschung erprobt und weiterentwickelt werden.  Da es um die Frage nach dem Bild in der Wissenschaft geht - und nicht um das Bild im Allgemeinen oder das künstlerische Bild -, stellt sich vor allem die Frage nach der Epistemologie des Bildes.
Welche Erkenntnisse können Bilder vermitteln und wie tun sie das? 
 
Bild und Text
Die grundsätzliche Frage ist die nach dem Verhältnis von Bild und Text. Üblicherweise werden Bilder mit Text kombiniert, dies sowohl in der Alltags-, wie auch in der Wissenschaftskultur. Der Text begleitet das Bild und erläutert es, oft liefert er die eigentliche Information. Was wesentlich ist, wird mit Worten gesagt, das Bild wird zur Illustration.  Oder das Bild wird als Text gelesen. Es wird semiotisch decodiert, das heisst, es wird in Sprache
übersetzt, um verstanden zu werden. Dem Bild wird auch in diesem Fall kaum eine eigene epistemische Wirkung zuerkannt. Das Bild braucht den Text. 
 
Bildkompetenz
Bilder können aber auch als selbsterklärende Medien fungieren, welche über das Zeigen funktionieren. Bilder können zeigen, was wichtig ist, ohne in Text übersetzt werden zu müssen. Bilder, die zeigen, sind keine Illustration von Text, vielmehr argumentieren sie, beispielsweise in
Gegenüberstellungen oder Serien.  Die Arbeit mit Bildern ist jedoch noch keineswegs etabliert, erfordert sie doch eine neue Kompetenz: Bildkompetenz. Diese erschöpft sich jedoch nicht darin, Bilder lesen zu können, sondern verlangt die Fähigkeit, sich auf Bilder einzulassen und das, was gezeigt wird, aufzunehmen und als Erkenntnis zu
erfassen. Gleichermassen ist es Aufgabe der BildproduzentInnen, diese Art der Wirkung zu verstehen
und die Bilder dementsprechend herzustellen. Bildkompetenz ist deshalb sowohl auf der Produktions-, wie auf der Rezeptionsseite gefordert. Bilder können nur das zeigen, was in sie im Prozess der Herstellung hineingelegt wird. Die Produktion von Bildern erfordert deshalb eine vertiefte Kenntnis von der Funktion und Wirkung des Bildes. 


 

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